Das Chinchilla

Mit der Eroberung Südamerikas wurden die Tiere aufgrund ihrer wunderschönen Pelze auch bei uns als Pelzlieferanten bekannt. Mitte des Zwanzigsten Jahrhunderts wurden Chinchillas bis nach Europa gebracht und langsam wurden auch in Deutschland Pelztierfarmen gegründet und es bildeten sich die ersten Chinchillavereine.

Als Haustiere beliebt wurden die Chins wie so viele andere Nagerarten auch erst in den letzten Jahrzehnten. Von Tierschützern aus Zuchtfarmen oder aus Versuchslaboren befreit fanden sie so den Weg in die Wohnzimmer und Zoogeschäfte. 



Das ist seine Natur

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Chinchillas leben in chilenischen Küstengebiete und Mittel-Chile zwischen 400m bis in 1500m Höhe, später Rückzug in höher gelegene Gebiete aufgrund der Besiedlung durch den Menschen.

 

Sie leben in Kolonien  und verbringen die meiste Zeit des Tages ruhend und schlafend in Verstecken wie Erdlöchern, Verstecken hinter Futterpflanzen und Felsspalten. Gegen die Dämmerung gehen sie auf Futtersuche.

 

Chinchillas werden in der Regel 12-15 Jahre alt, können aber bei guter Haltung, guten Genen und artgerechter Ernährung über 20 Jahre alt werden - auch in der Heimtierhaltung.


Die Heimtierhaltung

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Neu-Chinchillahaltern und Personen mit stark beschränkter Platzkapazität wird dringend zu einer Paarhaltung geraten. Dabei ist es eher irrelevant, welches Geschlecht die Tiere jeweils haben, wichtig ist, dass sie a) bereits aus der Pubertät raus sind und b) sich bereits länger kennen und mögen.

Falls man sich zur verschiedengeschlechtlichen Haltung entscheidet, sollte der Bock kastriert werden, da es ansonsten automatisch Junge gibt.

Jeder der züchten möchte, sollte sich im Vorfeld ein gewisses Wissen zur Zucht (Genetik etc.) aneignen, des Weiteren genug Platz, Geld und Zeit zur Verfügung haben. Zielloses Vermehren ist abzulehnen.

Denkbar ist auch eine Gruppenhaltung von 3-4 Tieren, jedoch gelten an der Stelle die selben Regeln wie bei der Pärchenhaltung, insbesondere wenn man sich für eine reine Böckchenhaltung entscheidet. Zudem sollte der Käfig unbedingt gut strukturiert und groß genug sein.

 

In der Natur sind Chinchillas dämmerungsaktiv. Sie schlafen in warmer Jahreszeit länger als in kalter. Ganz grob kann man die Aktivitätszeit auf 19-7 Uhr zusammenfassen +/-2h. Tagsüber stehen die Kleinen mehrere Male auf um zu fressen, urinieren oder zu nagen.

 

Chinchillas kann man nicht wie einen Hund oder eine Katze streicheln. Auch mögen die meisten Chinchillas es nicht getragen und auf den Arm genommen zu werden. Allerdings genießen es einige Chins um die Ohren herum, zwischen den Augen sowie unter dem Kinn gekrault zu werden und auch hier gilt: Ausnahmen bestätigen die Regel und es gibt auch unter Chins richtige Schmuser.


Das Gehege

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Die Unterkunft für Chinchillas kann nicht groß genug sein. Die von uns empfohlenen Mindestmaße lauten:

2 Chinchillas:  2m x 0,8 m x 1,2m  oder 1,5m  x 1m x 1,5m   (B,T,H)

3-4 Chinchillas: 2m x 1m x 2m  (B,T,H)

5-6 Chinchillas: 2,5m x 1m x 2m  (B,T,H)

 

Ein genügend großer Eigenbau bzw. Holzkäfig - oder noch artgerechter ein Chinchillazimmer - inklusive vernünftiger Käfigeinrichtung ist für die Psychiche und physische Gesundheitserhaltung unbedingt notwendig. Bei ausreichend viel Bewegungsfreiraum kann das aufgenommene Futter im Verdauungsapparat besser weitertransportiert werden (Chinchillas haben nur eine geringe Darmeigenbewegung, die den Futterbrei weiterbefördert), so beugt man einer Verstopfung oder Gasbildung vor. Außerdem wird auf dem Wege Übergewicht entgegengewirkt und die Muskeln und Gelenke werden trainiert.

 

Und: eine ausreichende Käfiggröße ist wichtig, damit unsere Heimchinchillas wenigstens einen Teil ihrer artspezifischen Bewegungsabläufe tätigen können. Daher sollte man seinen Tieren auch so viel Platz gewähren - bestenfalls jedoch noch mehr. Bedürfnisorientierter ist eine Breite und Höhe von min 2m. Ab einer Höhe von 2m sollte auf der Hälfte - also bei 1m Höhe - eine Zwischenetage eingebaut werden, damit zu große Fallhöhen vermieden werden. Bei niedrigeren Höhen nehmen Volletagen den Tieren unnötig Platz und Bewegungsfreiheit weg. Ansonsten reichen völlig Sitzbretter, Äste und partiell eingezogene Etagen, die so angebracht werden, dass die Tiere nicht tief stürzen können.

Beispielbilder von artgerechten Gehegen für Chinchillas


Die Einrichtung

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Die Einrichtung der Chinchillaunterbringung sollte an den Bedürfnissen der Tiere orientiert sein:

Rennen, Sprinten, Wandspringen

 

Jeder, der seine Chinchilla beim Auslauf erlebt hat, weiß wie schnell sie rennen können und wie glücklich sie dabei aussehen. Zudem werden bei den Sprints die Muskeln trainiert und das Wohlbefinden (vgl. Verdauung) gesteigert. Des Weiteren ist neben (nicht statt!) einem ausreichend großem Gehege, das Anbieten eines Lauftellers oder Laufradesin genügend grosser Grösse  eine schöne Idee v.a. für unterforderte Chins.

 

Klettern im klassischen Sinne - wie z.B. Ratten, Affen, Mäuse oder Streifenhörnchen - können Chins nicht. Sie haben keine Krallen und Vorderpfötchen, die sich an etwas festhalten, hochziehen und balancieren können. Daher können sie mit z.B. Seilen oder zu stark senkrecht angebrachten Kletterästen nichts anfangen.

Schöne, artgerechte Spring- und "Kletter"möglichkeiten schafft man in diesem durch folgende Einrichtungsgegenstände:

  • Spiel-, Nager- und Kletterbäume
  • Platten, Tunnel und Röhren aus Kork
  • auf verschiedener Höhe angebrachte Etagen aus unbehandeltem Holz z.B. von Obstbäumen, Eiche, Buche, Tanne oder Fichte
  • dicke und mitteldicke Äste ungiftiger Bäume

 

Chinchillas sind Fluchttiere. Fehlen Rückzugsmöglichkeiten, sind die Tiere dauergestresst und erkranken. Zum Verstecken können folgende Gegenstände genommen werden:

  • diverse Holzhäuschen in passender Größe
  • Labyrinthkonstruktionen
  • Körbe aus Naturmaterial
  • diverse Tunnel, Röhren, Häuschen und Platten aus Kork, Holz, Rinde, Pappe, Heu, Keramik und Ton
  • Weidenbrücken in verschiedenen Größen
  • Spiel-, Nager- und Kletterbäume

 

Chinchilla sind Nagetiere. Sie müssen immer Zugang zum Nagematerial haben. Das Nagen ist eine sehr wichtige Beschäftigungsmöglichkeit, die der Langeweile vorbeugt. Tiere, die sich langweilen, neigen zu Verhaltensstörungen und Stereotypien wie z.B. Fellbeißen.

Kapokschoten
ab CHF 2.30
Hanfmatten
ab CHF 9.00
Ecktoilette
ab CHF 9.50
Hirsespreu
CHF 12.50
Wärme Ebene
ab CHF 24.00
Korkröhre L-8
CHF 55.00 CHF 21.00 / kg
Korkröhre L-5
CHF 39.00 CHF 19.50 / kg
Korkröhre L-10
CHF 40.00 CHF 21.00 / kg
Korkröhre L-9
CHF 71.00 CHF 21.00 / kg
Korkröhre L-1
CHF 65.00 CHF 19.50 / kg
Korkröhre L-11
CHF 28.00 CHF 21.00 / kg

Das Hauptfutter

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Das Hauptfutter jedes folivern Kleinsäugers (Chinchilla, Degu, Meerschweinchen, Kaninchen u.a.) muss das Grün- und Raufutter sein wie es auch in der Natur der Fall ist. Nur dieses gewährleistet eine tadellose Verdauung ohne Fehlgärungen und Darmfloraverschiebung und ihrer Folgen (Durchfall etc.), den optimalen Zahnabrieb und beugt Verhaltensanomalien vor.

Rau- und Grünfutter auf einen Blick:

  • Kräuter
  • Blüten, Blumen
  • Blätter, Laub, Rinde, Zweige (samt Blattwerk, Knospen und Blüten)
  • Gräser
  • artenreiches Heu, Stroh
  • Wurzeln
  • Grünpflanzen und Grünpflanzenteile von Kulturgewächsen z.B. Maisblätter, Chicoree, Möhrenkraut, Raps
  • fressbare Zimmerpflanzen wie Golliwoog oder Tradeskatien

Rau- und Grünfutter sollten den Chinchillas in unbegrenzter Menge und in entsprechender Vielfalt immer im Käfig zur Verfügung stehen. 

 

Entgegen aller Gerüchte ist frisches Obst und Gemüse nicht gehaltvoll und darf an Chinchillas zusätzlich (nicht anstatt!) zum Grün- und Raufutter täglich verfüttert werden. Dabei sind individuelle Vorlieben zu beachten, denn gerade Gemüse ist bei vielen Chins eher unbeliebt. Beliebt sind z.B. Chicoree, Endivie, Salatherzen, Apfel oder Möhre. Obst und Gemüse beinhalten Ballaststoffe, Vitamine, viel Wasser, aber insgesamt auch weniger wertvolle Pflanzenstoffe und Fasern als Wildpflanzen und auch Säure und Fruchtzucker, sodass sie kein Ersatz für Wildpflanzen darstellen wohl aber eine gesunde Ergänzung. Getrocknetes Gemüse und Obst hingegen ist kein Hauptfutter, sondern Kraftfutter oder Leckerchen.


Das Beifutter

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Als Beifutter zählt das Kraftfutter. Komponenten, die zum Kraftfutter zählen, sind:

  • Sämereienmischung
  • Getrocknetes Gemüse, Früchte und etwas Obst

Generelle Richtlinie für die Kraftfutter-Menge: Nicht mehr als 7g Kraftfutter pro gesundes, ausgewachsenes Tier und Tag, es sei denn die Tiere teilen sich das Kraftfutter sinnvoll ein und stopfen sich damit nicht voll.

 

Kraftfutter ist in größerer Menge Pflicht bei Tieren, die einen Mehrbedarf an Nährstoffen haben d.h. während der Trächtigkeit, Laktation, Krankheit und bei Untergewicht/ Abmagerung. Haben die Chins hingegen Übergewicht oder fressen zu wenig vom Hauptfutter, muss das Kraftffutter reduziert werden.


Das Leckerchen

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Die Leckerchen dienen als Seelenwohl, als Belohnung und der Zähmung unserer Chins.

Leckerchen sind aber Leckerchen und sollte nicht zuviel verfüttert werden.

 

Geeignete Leckerchen wie Nüsse, getrocknetes Gemüse oder getrocknete Früchte, Erbsenflocken, Flachs etc. finden Sie im Samtpfötli Shop.

 

Fütterungsempfehlung:

  • Regel: nicht mehr als 1-2 Leckerchen am Tag
  • untergewichtige oder kranke Tiere, die schlecht fressen, dürfen deutlich mehr Leckerlies bekommen
  • Tiere mit Übergewicht bekommen keine Leckereien oder nur bei Bedarf (z.B. Medizingabe)
  • Tiere mit Krankheitserregern, die sich von Kohlenhydraten ernähren (Hefen, E. Coli, Giardien etc.) bekommen keine stark kohlenhydrathaltigen Leckerchen (z.B. Trockenobst), sondern nur Leckereien auf Fettbasis wie z.B. Nüsse und Kerne

 

Zu den angebotenen Leckerchen aus dem Zoohandel und Internet zählen Dinge wie Knabberstangen, Haferecken, Milchpellets oder Pellets aus verschiedenen Gemüse- und Fruchtsorten (Apfelpellets, Karottenpellets etc.). Diese sind für unsere Chinchillas alles andere als geeignet:

  • Obst- und Gemüsepellets: zermahlene, erhitze, gepresste Gemüse- oder Obstmasse ohne Wert, da Vitamine und Spurenelemente durch die Hitze verloren gehen; durch die fehlende Struktur finden kein Zahnabrieb.
  • Extrudate wie Haferecken: stark verarbeitete, leicht verdauliche Masse, die künstlich vitaminisiert wird; zerstört nach und nach die Verdauung.
  • Knabberstangen und Kekse: bestehen aus minderwertigen Nebenerzeugnissen (Getreidemehle, Melasse, Sojaschrot etc.) und Getreidekörnern, daher sehr energiereich, woran die Chinchillaverdauung nicht angepasst ist; doch man kann solche Knabbereien auch selber backen und das Ganze in Gesund.
Flachsähren
ab CHF 8.90
Kürbiskerne
ab CHF 3.20
Erbsenflocken
ab CHF 1.70
Zucchinikerne
ab CHF 2.90
Sonnentaler
ab CHF 2.10
Gurkenkerne
ab CHF 3.10
Wolkenkeks
ab CHF 3.50
Laubbarren
ab CHF 3.50
Bergheuballen
ab CHF 3.80
Lebensfreude
ab CHF 3.50
Nusstraum
ab CHF 3.50
Nagezahn
ab CHF 3.50
Kardisamen
ab CHF 1.70
Sudangras
ab CHF 4.20
Peperonikerne
ab CHF 1.80
Kaktusblüten
ab CHF 4.20
Mandelkerne
ab CHF 4.30

Bücher

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www.diebrain.de

Die Nagerhilfe / Nager Info ist eine kleine Organisation mit Hauptsitz in Osnabrück. Die Nagerinfo ist seit dem Jahr 2000 beständig und hat einen sehr grossen Teil zur heuten, artgerechten Haltung und Ernährung von Kleinnager in Deutschland und der Schweiz beigetragen.

 

Nager Info


www.chinchilla-scientia.com

 

Eine sehr informative Seite über Chinchillas, deren Haltung und Ernährung.

Chinchilla-Scientia.com - alles rund um glückliche Chinchillas